BDS: Boykott von Institutionen, nicht Individuen

Protest gegen Israel. Dörthe Engelcke (MPI) über die „Academic Boycott Conference“, 24. Januar 2026, https://www.deutschlandfunk.de/academic-boycott-konferenz-in-berlin-interview-doerthe-engelcke-rechtswiss-100.html.

Die vor allem von Studierenden organisierte Konferenz zu Hintergründen und Strategien des akademischen Boykotts in Berlin vom 23. bis 25. Januar konnte immerhin ohne Störungen stattfinden – an einem Ort, der den Teilnehmenden erst kurzfristig bekannt gemacht wurde. Dörthe Engelcke erklärt im Deutschlandfunk aus rechtlicher Perspektive, dass die Forderungen des BDS, als friedliche Konsequenz auf eine illegale Besatzung und auf schwerste Kriegsverbrechen, im Einklang mit dem Völkerrecht stehen und inzwischen auch teilweise von EU-Regierungen vertreten werden. Auch in Israel selbst sehen Gegner der illegalen Besatzung und der Vertreibungen meist keine Alternative zu institutionellen Boykotten mehr, denn nur durch internationalen Druck wird sich an den Verhältnissen etwas ändern. Die Universitäten in Israel haben besonders enge Verbindungen zur Waffenindustrie und zum Militär. Der wachsende Zuspruch für die BDS-Bewegung in Deutschland lässt sich auch als Reaktion auf die deutsche Nahostpolitik lesen, insbesondere auf das Versäumnis, seit dem 7. Oktober gravierende völkerrechtswidrige Handlungen der israelischen Armee klar zu benennen und politisch zu adressieren. Dadurch ist bei vielen Menschen das Vertrauen erschüttert worden, dass Staat und Regierung völkerrechtlichen Maßstäben folgen und aktiv zu einer Lösung des Konflikts beitragen, weshalb sich zunehmend Einzelpersonen und Organisationen fragen, welche Handlungsmöglichkeiten ihnen überhaupt noch bleiben.

https://www.deutschlandfunk.de/academic-boycott-konferenz-in-berlin-interview-doerthe-engelcke-rechtswiss-100.html